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01-07-2017 12h SalzAlpenSteig beim Wanderfestival in Berchtesgaden – Ein Erlebnisbericht

Erlebnis Langzeitwandern

Ächz. Das ist mein Motto am Morgen nach der 12-Stunden-Wanderung quer durch Berchtesgaden. Kaffeeschlürfend versuche ich noch mehr Gedanken an den gestrigen Tag zu sammeln, aber es ist noch alles träge. Ich bin also zum Widerholungstäter geworden. Zum bereits vierten Male habe ich mich auf die 12-Stunden-Tour in Berchtesgaden begeben. Langsam ist dieses Event wie alte Freunde wieder treffen. Die Guides Michi, Marlis und Willi sind mir bereits bekannt. Einige der Teilnehmer auch. Schön! Los geht’s!

Mit einer Gruppe von ca. 70 Mann (und Frau) geht es in Berchtesgaden los. Bei ermutigender Musik wird gemeinsam die Startlinie überquert. Ein Polizeibus mit Blaulicht bahnt uns den Weg quer durch Berchtesgaden. Und dann werden die ersten Meter gemacht: Von Berchtesgaden über Strub und dann oberhalb von Engedey entlang. Die Gespräche sind bereits in vollem Gange. Einige Teilnehmer sind alleine gekommen, ihre Freunde gehen eine der 24 Stunden Varianten oder haben keine Lust auf eine solch lange Tour. Aber das macht nichts. Jeder findet schnell einen Gesprächspartner, viele deutsche und österreichische Dialekte mischen sich „sag mal was, einfach irgendwas, das klingt so nach Heimat“. Hauptthema ist natürlich der Erfahrungsaustausch über Wanderstrecken und Touren. Es wird auch über die anderen Austragungsstätten des Wanderfestivals berichtet. Einige Teilnehmer nehmen an bis zu 6 Touren teil. Nach kurzer Zeit lautet das Signal aus dem hinteren Teil der Gruppe „Ausziehpause!“. Ich hatte die Kamera schon gezückt, leider passierte nichts weiter Dramatisches oder Berichtswertes. Nach anfänglichem Nieselregen wurde das Wetter besser und man entledigte sich der Regenjacken. Gefühlt kurze Zeit später kommen wir schon bei der ersten Raststation an. Kurze Verpflegung mit Obst, Schokoriegeln und neuen Getränken. Als Wiederholungstäter gewöhnt man sich an den Luxus, aber man sollte es trotzdem betonen: Der eigene Rucksack muss am Anfang der Tour nur Wechselkleidung beinhalten. Frühstück, Zwischenmahlzeiten, Mittagessen, und Abendessen sowie Getränke sind an den verschiedene Stationen der Tour bestens organisiert.

Dann geht es „in den Berg“. Hoch zum Söldenköpfl und von dort aus auf den Toten Mann. Einiges an Ächzen und Schnaufen ist zu vernehmen. Das Wetter wird noch besser, es kommt vermehrt die Sonne raus. Glücklich und viel zu früh haben wir dann, bei herrlichem Panorama auf den Watzmann, die größte Steigung der Tour erklommen. Einige auf dem Weg erlittene kleinere Verletzungen wurden sofort fachfräulich behandelt. Mittagsessen! Den vorhandenen Hunger stillen Spaghetti Bolognese und Salat (hier sei angemerkt, dass es auch eine vegetarische Variante gab). Der Blick beim Mittagessen auf den Watzmann und dass Wimbachgriestal ist atemberaubend.

Gut gestärkt geht es hinab zum Hochschwarzeck. Ein erster Regenguss bringt alle dazu die Regenjacken wieder anzuziehen – um sie nach 5 Minuten wieder auszuziehen. Das wird aber eher mit Humor genommen „ach…ich hab mich ja schon so lange nicht mehr umgezogen“. Vom Hochschwarzeck aus geht es hinauf auf den Schmuckstein und um diesen herum. Ein schöner verträumter schmaler Pfad leitet uns genüsslich zur Mordau-Alm. Die Gespräche gehen ungestört weiter, die Stimmung ist sehr positiv. Langsam wird den Beinen allerdings auch klar, dass bei dieser Wanderung einige Kilometer zu gehen sind. Kaffee und Kuchen kommen daher genau richtig. In der wohlverdienten Pause fängt es schlussendlich an zu nieseln…und zu tröpfeln…und zu regnen. Allgemeine Flucht unter alles was ein Dach hat. Erstaunlich viele Teilnehmer haben einen Regenschirm dabei „ja weißt du, aus den Erfahrungen vom letzten Jahr, als wir ja so unglaublich nass geworden sind, habe ich gelernt…“. Und tatsächlich war das Glück mit dem Wetter nun wohl beendet. Zwar lugte nochmals die Sonne hervor, aber das war von kurzer Dauer: „Es regnet jetzt nur weil du deine Regenhose nicht ausziehen wolltest!“

So ging es im Regen von der Mordau-Alm hinab und um den Taubensee herum. Vom Taubensee zum Hintersee und auch um diesen herum. Schönes Panorama trotz Regen. Die Stimmung bleibt gut. Die Schritte werden allerdings schwerer. Allein ein kleiner uns begleitender Hund scheint nicht müde zu werden. Er läuft vor, erkundet die Lage um die nächste Ecke, kommt freudig zurück, um gleich wieder vorzulaufen. Die Kraft hätte ich auch gerne noch… Die Durchquerung des märchenhaften Zauberwalds lenkt ab. Und plötzlich: „So wir gehen jetzt alle zusammen weiter! Niemand geht mehr vor und niemand lässt mehr abreißen! Wir gehen gleich gemeinsam durchs Ziel!“ Habe ich da Ziel gehört? „Beim Ankommen fangt ihr an zu laufen!“ Habe ich da LAUFEN gehört?? Nach 32km, 12 Stunden und 1348 Höhenmetern?? Ging dann aber irgendwie doch noch. Und dann waren wir da. Es warteten bereits ein warmes Abendessen, Bier und die (Sieger-)Urkunden auf uns. Das Gefühl anzukommen ist jedes Mal wieder unbeschreiblich. Und suchterregend. 12 Stunden mit ganz viel Panorama, tollen Gesprächen, viel Bewegung. Das Alles wird mir wieder erst heute bewusst. Und damit möchte ich mit einem kräftigen „ÄCHZ“ enden.

Bericht: AKTIVNEWS_DE_01_013

Fotos: AKTIVNEWS_DE_01_013

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